2/4l Vertrauen

* Vertrauen/Misstrauen tritt auf, wenn das Sich-Einlassen auf Situationen doppelter Kontingenz als besonders riskant empfunden wird, etwa wenn funktional äquivalente Sicherheitsstrategien (Recht/Organisationszwang) nicht zur Verfügung stehen. * Der Übergang von Misstrauen zu Vertrauen wird nur allmählich vollzogen und bleibt auf zusätzliche Stützen angewiesen. Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 179-182

2/4j schriftliche Kommunikation

* Schrift eignet sich nicht nur selbst zur Kommunikation, sondenr bietet auch die Möglichkeit mündliche Kommunikation in schriftlich fixierten Texten abzubilden. * Frühe Beispiele: Sprechen Toter zu den Lebenden in altägyptischen Grabinschriften; philosophische & literarische Form des Dialoges, der Vielheit von Perspektiven ohne Einigungszwang darstellen kann. * Schließlich entsteht die besondere literarische Form des Romans, […]

2/4i Organisation

* Organisation ist die Kontrolle und Regulation von Arbeit. * Sie regeln, innerhalb welcher Arbeitsteilung von wem zu welchen Zeitpunkten welche Arbeitsschritte zu vollziehen sind und sorgen dafür, dass Ergebnisse und Umstände der Arbeit auf eine Art und Weise dargestellt werden, die der Organisationsumwelt ermöglicht, damit einverstanden zu sein. Vgl. Baecker, Studien zur nächsten Gesellschaft, […]

2/4h1 Konsistenzprüfung

* Für den Fortgang der Operationen eines aktuellen (Bewusstseins-)systems ist nur der jeweilige Zustand eben dieses Systems bestimmend. * Gedächtnis ist denn auch nichts anderes, als die Konsistenzprüfung in der jeweils aktuellen Operation, also Aktualisierung ihres jeweils nutzbaren Verweisungszusammenhanges. Vgl. 2/4b4 Erwartungen Vgl. Luhmann, Wissenschaft der Gesellschaft, S. 31

2/4h Gedächtnis

* Wie Gesellschaft Erinnern und Vergessen reguliert, bzw. ständige selektive Re-Imprägnierung eigener Zustände vornimmt, ist bedingt durch die gesellschaftlich zur Verfügung stehenden Unterscheidungen zwischen Medium und Form (Kulturform). * Sprache – Inszenierung Schrift – Semantik Buchdruck – Entscheidungskalkül Fernsehen/Computer – Programmbereiche Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft S. 270f. Vgl. 2/4c1 Semantik Vgl. für Entscheidungskalkül: Baecker, […]

2/4g Funktion von Massenmedien

* Die Funktion der Massenmedien liegt im Dirigieren der Selbstbeobachtung des Gesellschaftssystems. Es hat die Funktion des Systemgedächtnisses, das für alle weiteren Kommunikationen eine Hintergrundrealität bereitstellt, die ständig reimprägniert wird. * Sie ist Beobachtung, die die Bedingungen ihrer Möglichkeiten selbst erzeugt. Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 118f. Vgl. 2/4b3a3 Dirigieren durch Markierung

2/4f Ängste & Ansprüche

* Ängste und Ansprüche sind die doppelgleisige Form des Zurückwirkens der Modalisierung der Zeit auf Kommunikation. * Gegenwart kommt in der Zeit nicht vor und übernimmt stattdessen die Paradoxie einer Zeit, die keine ist, von der gesellschaftlichen Funktion der Omnipräsenz des alle Zeiten gleichzeitig beobachtenden Gottes. Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 103 Vgl. […]

2/4d Spiel

* Spiel ist eine Art von Realitätsverdopplung, bei der die als Spiel begriffene Realität ausgegliedert wird, ohne diese negieren zu müssen. * Spiele sind zeitlich begrenzte Episoden. Es geht nich um Übergänge in eine andere Lebensführung. Andere Chancen werden nicht aufgegeben, andere Belastungen werden nicht abgeworfen. * Spiel markiert sich in jedem Zug (Operation) als […]

2/4c1a1 Ideenevolution durch Semantik

* Semantiken können sich, vor allem bei Stimulierung durch eigene Probleme und Inkonsistenzen rascher ändern und Entwicklungsmöglichkeiten der Gesellschaft antezipieren oder einleiten. * Semantiken können obsolete Traditionen bewahren und historisch und sachlich angemessene Beschreibungen verhindern. * Die Differenz stimuliert Beobachtung und Beschreibung gesellschaftlicher Zustände. Die Unstimmigkeit wird in der gesellschaftlichen Evolution reproduziert. Vgl. Luhmann, Gesellschaft […]

2/4c1a Potenzialisierung

* Textliche Fixierung von Sinn härtet das, was einmal formuliert ist auch dann, wenn es abgelehnt oder nicht benutzt wird. * Während in mündlicher Kommunikation nur überlebt, was rasch beeindruckt, kann Schrift eine Entscheidung über Annahme/Ablehnung herauszögern, sozial diversivizieren und auch das festhalten, was nicht überzeugt. * Potenzialisierung = Möglichkeit des Meinens * Die Möglichkeit […]

2/4c1 Semantik

* Durch Schrift wird Semantik induziert, die der Reduktion der Unsicherheit bei Schriftgebrauch dient. * Durch Schriftgebrauch wird das Diskriminieren von Erinnern und Vergessen zur Sache von Entscheidungen, gewinnt damit Ereignishaftigkeit und bezieht sich darin, durch Rückgriff auf materielle Grundlagen in der Neurophysiologie oder im Substrat von Schrift, auf Texte, die als Kommunikation verwendet werden. […]

2/4c Worte

* Die Differenzierung von Worten und Sätzen löst das Problem der Unterspezifikation von Sprache durch die Möglichkeit zur Anpassung an vorübergehende Lagen durch flexible Kombinationsmöglichkeiten. * Die Möglichkeit des Anschlusses von Kommunikation an Kommunikation ergibt sich aus der Möglichkeit der Bestätigung oder des Widerrufens von vorübergehenden Sinnkonstruktionen. Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 214 Vgl. […]

2/4b4 Erwartungen

* Strukturen, die Kommunikation aus Kommunikation hervorgehen lassen, müssen temporale Projektionen enthalten, die die Variationsmöglichkeiten weiterer Kommunikationen einschränken (Erwartungen). * Die Verwendug der Unterscheidung Erwartung/Enttäuschung erzeugt Kontinuität, weil in beiden Fällen erneut mit Erwartungen angeschlossen werden kann. Vgl. Luhmann, Wissenschaft der Gesellschaft, S. 136 Vgl. 2/5a4 Kontinuität Vgl. 2/4h1 Konsistenzprüfung

2/4b3b Sprachliche Täuschung, Irrtum und Missbrauch

* Irrtum, Täuschung sowie unabsichtlicher und absichtlicher Missbrauch der Zeichen sind als sprachliches Problem universal. * Codierung von Sprache ermöglicht das Bezweifeln, nicht-annehmen und Ablehnen von Mitgeteiltem, was als solches in den Kommunikationsprozess wiedereingebracht werden kann. Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 225 Vgl. 2/6 Kritik

2/4b3a4 Moral

* Moral löst das Problem, dass es keine der Verneinbarkeit entziehbare Begründung gibt durch Überstülpen ihrer Form gut/schlecht auf Kommunikation. * Moral operiert unter dem Verbot der Selbstexemption. Das Problem der moralischen Nichtbegründbarkeit der Anwendung von Moral auf Moral lässt sich durch Verschieben auf inkommunikable Geheimnisse der Religion lösen. Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. […]

2/4b3a3 Dirigieren durch Markierung

* Die Aussicht auf Ja/Nein Bifurkation lässt sich durch Markierung derjenigen Komponenten einer Kommunikation dirigieren, bei denen man Informationswert und Widerspruchsmöglichkeit antezipiert bei mit-Kommunikation unmarkierter Formen. Bsp.: Häufig bei Werteinstellungen. Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 228 Vgl. 2/4g Funktion Massenmedien

2/4b3a Codierung von Sprache

* Die Annahme der Strukturierung von Kommunikation durch Autopoiesis ermöglicht eine Radikalisierung zu einer einfachen, binären, Ja/Nein Codierung, wonach Sprache für alles, was gesagt wird eine positive und eine negative Fassung zur Verfügung stellt. * Codierung setzt negationsfeste Identitäten voraus, die losgelöst sind von bloßer Wiedererkennbarkeit für Wahrnehmung und ihr Gedächtnis, weil nur so das […]

2/4b3 Autopoiesis von Sprache

* Sprachliche Kommunikation schafft sich ihr eigenes mediales Substrat in Form eines Wortbestandes, welcher durch Kopplung / Entkopplung zu Sätzen bezugsfähig werden kann. Vgl. 2/4c * Sätze bilden eine emergente Ebene der kommunikativen Konstitution von Sinn * Was sinnvoll gesagt werden kann ist eingeschränkt durch rekursive Rückgriffe auf vorherige Kommunikation und Aussicht auf spätere. Vgl. […]

2/4b2 Eigenzeitlichkeit von Sprache

* Sprache ermöglicht eine Durchbrechung von Gleichzeitigkeitsprämissen, an die Wahrnehmungsmedien gebunden sind. * Die Abkopplung des rekursiv operierenden Sprachverlaufs von den Zeitsequenzen der Umwelt ermöglicht die Unterscheidung des Kommunikationsprozesses von Ereignissequenzen der Umwelt. Dies ist Bedingung der Möglichkeit des Ausdruckes von Zeitverhältnissen, etwa in einfacher Form von wenn-dann Konditionalisierung. Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. […]

2/4b Sprache / Sprechen

* Sprechen ist ein auf Kommunikation spezialisiertes, für diese Funktion ausdifferenziertes und dadurch für Wahrnehmung sehr auffälliges Verhalten. * In sprachlicher Fassung reproduziert Kommunikation doppelte Kontingenz * Sprache ist an Hörsinn gebunden was, anders als Sehen, zeitliche Sequenzierung erzwingt. * Form von Sprechen = Laut/Sinn (inklusive kondensiertem Verweisungszusammenhang) Vgl. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S. 211 […]

2/4 Kommunikation

* Kommunikation wird verstanden als Synthese aus drei verschiedenen Selektionen: Information – Mitteilung – Verstehen * Die Komplexität der Welt verhindert, alle Bedingungen der Möglichkeit eines Sachverhaltes in den Begriff des Sachverhaltes aufzunehmen, weil sonst theoriebautechnische Verwendbarkeit verloren geht. Daher wird Kommunikation als soziale Operation von psychischen Operationen (Bewusstsein o.ä.) unterschieden. Vgl. Luhmann, Was ist […]